On-Off-Beziehungen scheinen gerade Mode. Was sich nach außen als nervendes Hin und Her zeigt, ist mehr als Dauerspannung und Beziehungsstress. Psychologen erklären es gerne als Bindungsstörung aufgrund frühkindlicher Erfahrungen, doch wer von uns kann sich davon gänzlich freimachen? Wessen Kindheit verlief optimal und wie sähe solch eine Kindheit überhaupt aus? Und selbst wenn wir eine glückliche Kindheit erleben durften, was machen wir dann mit einem Partner, bei dem es vielleicht weniger gut lief? Sollen wir ihn erst zum Therapeuten schicken? Oder brauchen wir dann gleich eine Paartherapie?
Früher, als die Frau in der Rolle der Hausfrau und Mutter noch wirtschaftlich abhängiger vom Mann war, wäre eine spontane Trennung schwieriger umsetzbar gewesen. Kompromisse mussten gefunden werden, weil der Leidensdruck erst dann eine Trennung gerechtfertigt hätte, wenn er so groß geworden wäre, dass gar nichts mehr geht. Heutzutage macht man es uns leichter. Die moderne Frau lebt ein selbstbestimmtes Leben, mit Mann, Kindern, Job und eigenem Konto. Diese Errungenschaften haben aber nichts damit zu tun, dass wir eigentlich unserem Wesen nach immer noch Frauen geblieben sind. Wir leben ständig mit der Herausforderung, als relativ unabhängige Person eine realativ abhängige Beziehung leben zu wollen. Männern geht es da nicht viel anders.
Der Fehler liegt meiner Meinung darin, dass wir Beziehungen idealisieren. Zu einer Beziehung gehören Auseinandersetzungen, Nähe und Distanz und beides ergibt sich durch das bloße Aufeinandertreffen unterschiedlicher oder gleicher Persönlichkeitsmerkmale, Erfahrungen und Verhaltensweisen. Wer sich selbst liebt, muss zwangsläufig hin und wieder Grenzen setzen und sich oder den Anderen aus der Gefahrenzone bringen, damit sich die Sichtweise ändern kann und niemand Schaden erleidet. Dazu bedarf es natürlich nicht unbedingt einer offiziellen Trennung. Und so vermuten ja auch viele der Zaungäste solcher On-Off-Beziehungen, vollkommen gerechtfertigt, dass es wieder zu einer Verbindung kommen wird. Es geht dabei eigentlich auch mehr um das Gefühl einer Wahlmöglichkeit, wirklich trennen, will man sich meist gar nicht.
Das, was wir an der Oberfläche sehen, spiegelt uns! Vielleicht sind solche On-Off-Beziehungen Spiegel für einen Beziehungswandel. Wir sind nicht mehr nur zusammen, weil wir uns brauchen oder glauben zu lieben, sondern weil wir uns immer wieder aufs Neue ganz bewusst dafür entscheiden! Weil wir heute früher und häufiger reflektieren und reagieren, und weil Trennung zwar immer noch emotionaler Entzug bedeutet, aber auch positive Effekte haben kann, wenn man sie als Chance für persönliche Entwicklung erkennt und nutzt!